Ukraine - Von Krieg zu Frieden

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Vom 21. Juli bis zum 28. Juli sind wir mit 8 Erwach- senen und unserem jüngsten Teilnehmer Nora in der Ukraine. Zwei Tage lang renovieren wir hier die älteste Lehmsynagoge, die es in Europa gibt. Wir streichen die Außen- und Innenwände, bemalen die Fensterläden und Säulen neu und betonieren fleißig die Teile des Grundstücks, die noch nicht betoniert sind oder neu betoniert werden müs- sen. Abgesehen von den Bauarbeiten verbringen wir ganz viel Zeit mit Holocaust-Überlebenden, die in der Ukraine verteilt wohnen. Wir überrei- chen ihnen selbst gepackte Lebensmittelpakete und lauschen ihren Geschichten und Erzählun- gen, die teils schockierend und teils spannend oder sogar lustig sind. Wir wussten zwar schon von Vornherein, dass wir auf Menschen treffen, die Schlimmes erlebt haben und zum Teil ihre ganze Familie im 2. Weltkrieg verloren haben, aber dieses nun live berichtet zu bekommen ist ein einzigartiges Gefühl. Besonders als Deutsche wollen wir sensibel mit dem Thema Holocaust umgehen. Und so sind wir einfach für die Überlebenden da und nehmen am Schicksal der Juden Anteil, haben ein offenes Ohr für ihre Vergangenheit und ihre jetzigen Lebensumstände.

Ganz besonders fällt uns auf, wie gastfreundlich alle zu uns sind. Obwohl die meisten am Exis- tenzminimum leben, werden wir immer reich- lich mit leckeren Mahlzeiten (stets mit mehreren Gängen) bekocht und freundlich empfangen. Nur in ganz wenigen Fällen wird Deutschen mit Bit- terkeit oder Ablehnung begegnet.

Sie empfangen uns mit Freude und kümmern sich rührend um unser kleinstes Teammitglied Nora, als wären sie allesamt ihre leibhaftigen Großeltern. Zusätzlich können wir Projekte durch Geldspenden unterstützen, die Kindern eine günstige und gute Bildung ermöglichen, und andere, die ein Heim für Menschen mit Be- hinderungen bieten. Beide Projekte werden nicht staatlich betrieben oder unterstützt und wir sind froh, auch für die jüngere Generation einen Bei- trag leisten zu können.

Insgesamt lernen wir hier in der Ukraine, dass man immer wieder ins Leben zurückfinden und glücklich werden kann, obwohl man einen schlimmen Schicksalsschlag wie Krieg, Verlust oder Flucht erlebt hat. Wir wünschen uns für die Zukunft, dass die Ukraine ihre Vergangenheit gut aufarbeiten kann und die Menschen entschädigt, die gelitten haben, denn heute noch leugnen vie- le den Holocaust und den grausamen Umgang mit der eigenen jüdischen Bevölkerung. Auch wenn wir nur einen kleinen Anstoß dazu leisten können, haben wir Hoffnung für die Wellen, die diese eventuell schlagen wird.

Insgesamt lernen wir hier in der Ukraine, dass man immer wieder ins Leben zurückfinden und glücklich werden kann, obwohl man einen schlimmen Schicksalsschlag wie Krieg, Verlust oder Flucht erlebt hat.
— Robert Stösser
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