Such(e/t) nach Gott

 
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Es ist eine verrückte Konstellation von Menschen, die dasselbe Schicksal teilen: Die Abhängigkeit von Drogen. Groß, klein, dick, dünn, alt, jung, sie sind so unterschiedlich und doch leiden sie alle unter dem gleichen Problem. Die Abhängigkeit von Alkohol und anderen Substanzen hat sie in die Drogenstation des Bürgerhospitals gebracht. Alle zwei Wochen sind wir von Kirche in Aktion auch dort und veranstalten einen Gottesdienst für alle Menschen im Krankenhaus.

DIE MENSCHEN VON DER ENTZUGSSTATION LADEN WIR BESONDERS GERNE EIN. SIE SIND OFFEN UND LUSTIG, DIE MEISTEN SIND GUT GELAUNT UND FREUEN SICH, UNS ZU SEHEN.

Und somit ist die Einladung an sie alles andere als komisch oder unangenehm, sondern meistens ganz besondere Begegnungen. Viele von ihnen kommen gerne in den Gottesdienst. Auch an diesem Abend kommen zwei, die wir kurz vorher auf der Suchtstation eingeladen haben, um den Klängen der andächtigen Musik und der kurzen Andacht zu lauschen. Nach dem Gottesdienst kommen sie auf uns zu und fragen nach weiteren Gottesdiensten. Sie sind sehr berührt und wir freuen uns über ihre Offenheit und ihr Interesse.

Nach dem Abbau, als wir gerade eigentlich gehen wollen, kommt einer von beiden nochmal auf uns zu. Er sagt, er möchte unbedingt Buße tun. Er möchte beten, denn er will sein Leben Gott anvertrauen, denn sein Leben ist so sehr aus der Bahn geraten, dass er sich nun nach nichts mehr sehnt, als frei zu sein. Deshalb möchte er sein Le- ben Gott anvertrauen.

Aber er will Gott nicht nur als Notlösung oder als Unterstützung für sein Leben, nein, er will einen kompletten Neustart, einen Reset, wie er sagt, und alles in Gottes Hände legen. Und so knien wir uns gemeinsam vor den Altar, der in der Kapelle des Bürgerhospitals an eine traditionelle Kirche erinnert, und beten. Wir beten und legen im Gebet sein Leben vor Jesus hin. Wir weinen aus Freude und vor Hoffnung und als er nach einiger Zeit des Gebetes geht, strahlt er über das ganze Gesicht.

Aktuell haben wir telefonischen Kontakt mit ihm, denn er macht einen Entzug und hat viele Fragen zu seinem neu gewonnenen Glauben. Danach möchte er seinen Schulabschluss nachholen, damit er einen Job finden kann. Mit dem Geld, das er dann verdient, möchte er sich auch um seine Mutter kümmern, da sie sich schon so lange um ihn gekümmert hat.

Wir alle kämpfen mit Verletzungen, unserer eigenen Zerbrechlichkeit und Abhängigkeiten - und im Krankenhaus kann man damit besonders offen kommen. Hier muss man es nicht länger verstecken, alle anderen Betrifft es ja auch. Diese Ehrlichkeit und Offenherzigkeit spürt man der Atmosphäre hier ab. Und eben diese Intime und Aufrichtige Atmosphäre bietet einen sicheren Rahmen für einen Neuanfang. Ich freue mich über jeden den Gott hier hinein bringt und zu sehen der er so vielen so persönlich begegnet.
— Anemone Butt
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