Indien - Die größte Sauna der Welt

 
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Mit einem Lächeln auf dem Gesicht werden wir von Marciano, dem Leiter von Operation Rescue, in Indien empfangen. Wir fahren durch den Stadtdschungel voller Menschen und Tiere.

Der Smog steigt uns in die Nasen und es bilden sich Schweißperlen auf der Stirn. Das Hupkonzert der Stadt kommt uns vor wie eine Begrüßungszeremonie. 

Bei einer „Tour“ durch das Dorf der entfernten Verwandtschaft werden wir mit leuchtenden Augen, breitem Lächeln und unglaublich viel Neugier empfangen. Wir werden direkt auch Zeugen der harten Arbeit, die diese Menschen täglich verrichten müssen, um sich nur das Nötigste leisten zu können:

Die Frauen arbeiten 70 Stunden pro Woche inmitten von beißendem Klebstoff-Geruch in gebückter Haltung und fertigen im Akkord eine Schmuckbox nach der anderen für 120 IDR (1,60 Euro) pro Woche – weniger, als ein jeder von uns am Vorabend für sein Abendessen bezahlt hat. Indien ist zwar ein wunderschönes Land, hat aber auch sehr hässliche Seiten.

Erschreckend ist es für uns auch zu sehen, wie viel Schuld die „reiche Welt“ an der Armut in Indien hat. Damit wir billige Kleidung kaufen können, müssen Leute hier für so wenig Geld schuften. 

 
Viele Familien und Waisen leben auf den Straßen Kalkuttas unter den schlimmsten Bedingungen. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in der Millionenstadt sehr groß.
— Hiwot Wissing
 
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Ein Highlight für uns war es deshalb, dass wir mit 50 Straßenkindern einen tollen Ausflug in einen Erlebnispark im reichsten Viertel von Kalkutta machen durften. Wir nehmen an diesem Tag den Park komplett für uns ein und drängen damit die reichen Leute im Park aus ihrer Komfortzone. Wenn wir ehrlich sind, macht es uns auch riesig viel Spaß, sie zu schocken. Und so fröhlich und ausgelassen geht es auch in unserer Zeit in Kalkutta weiter. Wir machen täglich Kinderprogramm und putzen die Gemeinde unserer Kooperationspartner der Kirche des Nazareners. Alles in allem ist es eine sehr bewegende Zeit.

Jeder von uns nimmt aus diesen Extremsituationen viel mit nach Hause. Manche ändern ihr Gottesbild, andere verspüren mehr und mehr, dass ihr Platz in der Dritten Welt ist. Aber am Ende nehmen wir vor allem mit, dass wir eine große Verantwortung für diese Welt haben und dass wir uns dafür einsetzen müssen.