Gemeinsam in der stille

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Mitten zwischen Wäldern und Bergen finden wir uns aus unseren vier Städten von Kirche in Aktion zusammen: In Dorfweil treffen wir uns, um den Abschluss des alten Jahres und den Beginn des neuen Jahres zu feiern. 130 Leute, die alle an verschiedenen Punkten in ihrer Reise mit Gott und mit ihrem Leben stehen, begegnen sich in freudi- gen und nachdenklichen Momenten.

Es wird gelacht und geweint. Es gibt lustige Spieleabende, spannende Predigten, eine schwungvolle Silvester-Feier und viele, viele gute Gespräche. Aber es gibt auch Stille. Viel Stille in Zeiten der Reflektion über das Vergangene, in Momenten der Zielsetzung für das Kommende.

Silke nutzt diese Stille, denn das ist sonst im Alltag in unserer heutigen Zeit schwierig. Es ist manchmal schwierig, Stille zu finden und manchmal ist es schwierig, Stille zu ertragen. Vor allem, wenn die Stille einsetzt, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Diese zuzulassen und zu ertragen, damit Gott diese Stille mit seinem Frieden füllen kann, ist sehr schwer für Silke. Vor vier Jahren ist ihr Mann verstorben und es hat sie komplett aus der Bahn geworfen. Ohne den Mann zu leben, mit dem sie 30 Jahre verheiratet war, klang unvorstellbar. In der Stille, die so plötzlich in ihrem Alltag entstanden ist, fängt sie an die Bibel zu lesen. Sie kommt auf Kirche in Aktion und besucht den Gottesdienst im Heimathafen Wiesbaden.

Dort nimmt sie zum ersten Mal bewusst am Abend- mahl teil und jetzt hat sie sich sogar taufen lassen. Es ist ein großes Geschenk, dass sie trotz einiger Überwindung gerne annehmen möchte.

Und nun möchte sie noch weitere Schritte gehen und nutzt die Stille auf der Silvesterfrei- zeit und fasst den Entschluss, dass sie zukünftig anderen Leuten, die durch die gleichen Krisen gehen, helfen möchte. Sie möchte anderen in ihrer Stil- le, die durch Verlust entstanden ist, beistehen. Sie möchte anderen helfen, aus dieser großen dunklen Stille namens Trauer zu kommen, die einen immer wieder erwischen kann. Silke möchte die Liebe und den Frieden, die sie selbst erlebt hat, weitergeben und in diese Stille hineinsprechen.

Und auch wenn sie schon öfter darüber nachgedacht hatte und nie wusste, wie das aussehen kann und wo ihre Talente liegen, hatte sie schon einmal nachgedacht, sich im Krankenhaus um Angehörige von Verstorbenen zu kümmern. Allerdings hat sie diesen Gedanken wieder beiseite geschoben. Aber in der Stille, die zwischen- durch auf der Silvesterfreizeit entsteht, kommt diese Idee immer wieder zu ihr zurück. Und nun möchte sie im Jahr 2019 dieser Vision nachgeben und anderen Trauernden helfen, sich dieser Stille entgegenzustellen.

Gott liebt es scheinbar, Menschen zu gebrauchen, die für den Job gänzlich ungeeignet zu sein scheinen. Ich habe noch keine Idee, wie das funktionieren soll/kann, aber ich will es wagen...Jesus vertrauen...mich darauf einlassen und Ihm folgen.
— Silke Göb
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GeschichteRobert Stoesser