Über Wasser halten - Wolfgang berichtet von seinem Weg

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Als Wolfgang mir gegenübersitzt und seine Geschichte erzählt, verschönert er die Ereignisse nicht. Nein, er spricht offen und ehrlich über seine Vergangenheit und die Vorfälle, die ihn heute noch sehr prägen. Wolfgang ist 1958 in Kassel geboren. Seinen Vater beschreibt er als hochintelligenten und zurückhaltenden Menschen. Die Beziehung zu seiner Mutter beschreibt er als besonders schlecht, denn sie ist ihm schon als Kind sehr hart gegenüber. Nach einigen gescheiterten Ausbildungs- Versuchen kommt Wolfgang nach Frankfurt und bricht den Kontakt zu seiner Familie ab.

ABER DORT VERBESSERT SICH SEINE SEELI- SCHE VERFASSUNG NICHT, DIE DURCH DEN SCHLECHTEN BEZUG ZU SEINER FAMILIE GEPRÄGT IST. DURCH VERSCHIEDENE VERSUCHE MIT SEINEM INNEREN CHAOS AUFZURÄUMEN, KOMMT ER MIT KIRCHEN, ABER AUCH MIT ESOTERIK-GRUPPEN IN KONTAKT.

Immer wieder wühlt ihn seine Vergangenheit auf und leitet ihn in immer verrücktere Kreise. Eines Tages ist es dann soweit, dass er Reißaus nimmt, weil ihn einer seiner Bekannten bedroht und Wolf- gang zieht deshalb zuerst einmal zurück nach Kassel in die Wohnung seines Vaters. Als sein Vater dann stirbt, kommt Wolfgang zurück nach Frankfurt, weil er hier einfach mehr Möglichkeiten hat. Und diese braucht er auch, denn er hat Geldprobleme und nutzt die vielen Speisungen in Frankfurt, um sich über Wasser zu halten. Die staatlichen Einrichtungen, bei denen es Essen für bedürftige Menschen gibt, gefallen ihm zwar keineswegs, aber er hat keine andere Wahl.

Bei seiner Krankengymnastik berichtet ihm jemand von dem Journey-Gottesdienst im Café Awake, bei dem es immer ein buntes und leckeres Buffet gibt.

Als es Wolfgang besser geht, geht er ins Awake und das kostenlose Buffet gefällt ihm sehr gut. Auch die Leute empfindet er als lustig und locker. Wolfgang ist aufgrund seiner konservativen christlichen Erziehung und seines eigenen Selbstfindungsprozesses allerdings sehr skeptisch geworden, was Glauben und Kirchen angeht. Er beschreibt sich als kritisch, denn er ist selbst schon oft auf Menschen und deren religiöse Überzeugungen reingefallen. Auch wenn er dadurch viel an der Theologie von Kirche in Aktion auszusetzen hat, fühlt er sich unter den vielen jungen Leuten wohl. Er sieht, dass viele in einer Aufbauphase ihres Lebens stecken und spürt regelrecht den Tatendrang, macht sich aber auch Sorgen, dass bei einigen die Zeit zur tieferen Reflektion zu kurz kommt. Des Weiteren wünscht er sich, dass noch mehr Leute, die er sonst bei den Speisungen sieht, bei Kirche in Aktion einen Platz und ein leckeres Essen fin- den, auch wenn er denkt, dass das den Rahmen der Journey-Gottesdienste sprengen könnte.

Alles in allem hat ihn sein Forschungsdrang dazu bewegt, nicht nur bei Kirche in Aktion mitzuessen, sondern auch die Deeptalk-Abende und Gottesdienste zu besuchen und er genießt die Gespräche und die Gesellschaft bei Kirche in Aktion sehr.

ICH BIN SEHR FROH, DASS WOLFGANG TEIL UNSERER COMMUNITY IST UND UNSERE OFT ETWAS HOMOGENE KIRCHE AUFLOCKERT. WOLFGANGS AUTHENTISCHE, UNVERBLÜMTE ART UND SEINE KRITISCHEN FRAGEN SIND EINE BEREICHERUNG.
— Ruben Leinberger